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Veröffentlicht am 11. Juli 2022

Mit dem Immobilien-Teilverkauf an die Börse?

Finanzjournalistin und Börsen-Fan Jessica Schwarzer geht der Frage nach, ob man das Geld aus dem Teilverkauf an der Börse investieren sollte.

Es gibt eine eiserne Regel: Kaufen Sie niemals Aktien auf Pump! Nehmen Sie bloß keinen Kredit auf, um heiße Wetten an der Börse einzugehen. Aber ein Immobilienteilverkauf? Könnte das Sinn machen? Spontan sage ich „Nein“. Aber wenn ich länger darüber nachdenke, könnte es schon einen gewissen Sinn machen.

Die Deutschen sind bekanntlich ein Volk von fleißigen Sparern. Die Börse meiden sie eher. Immobilien aber sind für sie ein wichtiger Baustein für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge. Erkennen Sie sich hier wieder? Wahrscheinlich.

Ich bin leidenschaftliche Börsianerin. Viele Menschen denken aber anders, und sie investieren auch anders. Wie immer bei der Geldanlage geht es um Ziele, um unsere Lebenssituation, um unseren Anlagehorizont und natürlich um unsere Risikoneigung. Für mich gehören Aktien auf jeden Fall zu einem vernünftigen Vermögensaufbau. Egal, ob ein Anleger sehr vorsichtig und damit konservativ ist oder ob er sehr risikobewusst und mutig ist. Aktien sind damit die erfolgreichste Anlageklasse überhaupt. Sehr langfristig und bei breiter Streuung liefern sie im Schnitt sechs bis acht Prozent pro Jahr. So viel wie keine andere Geldanlage. Das hat auch die Bundesbank vor einiger Zeit höchstamtlich in einem ihrer Monatsberichte bestätigt. Aktien sind also eine wirklich gute Renditequelle – trotz aller Schwankungen und Crashs. Gerade diese Kursturbulenzen schrecken aber viele ab. Zu Unrecht.

Ein wichtiger, sogar viel wichtiger Baustein für viele ist auch die selbstgenutzte Immobilie. Die Preise schwanken weniger stark und sind in den vergangenen Jahren auch stark gestiegen. Und im Alter mietfrei leben zu können, ist die eigene Immobilie auf jeden Fall eine feine Sache. Hinzu kommt die emotionale Komponente des Eigenheims. So weit so gut. Trotzdem sollten wir bei unserem Vermögensaufbau und unser Altersvorsorge aber auf mehrere Bausteine setzen.

Angesichts des jüngsten Kursrückgangs an den Aktienmärkten könnte man nun auf die Idee kommen, kräftig nachzukaufen oder überhaupt mit Investments an der Börse zu starten. Eine gute Idee übrigens, wie ich finde. Aber dafür einen Teil des eigenen Hauses verkaufen? Ob das Sinn macht, hängt vor allem davon ab, welcher Anlegertyp man ist. Also von den Zielen und der Risikoneigung.

Zwei Beispiele: Nehmen wir also an, Sie wissen, dass Ihre Erben Ihr Haus später sowieso verkaufen werden. Und nehmen wir weiter an, Sie sind von der Anlageklasse Aktien überzeugt und glauben, dass Sie auch künftig hohe Renditen liefern wird, höhere als Ihre Immobilien – aus welchem Grund auch immer. Dann könnte es Sinn machen, einen Teil des Hauses zu verkaufen, also über einen Immobilien-Teilverkauf nachzudenken.

Wie der Name schon sagt, verkaufen Sie einen Teil Ihrer Immobilie. Aber im Grunde „behalten“ Sie sie doch, denn Sie bleiben zu 100 Prozent wirtschaftlicher Eigentümer. Es bleibt Ihr Haus oder Ihre Wohnung, aber Sie haben neue Liquidität. Und mit dem Geld aus dem Teilverkauf können Sie tun und lassen, was Sie möchten – auch an der Börse investieren. Geht Ihre Rechnung auf, dann können sich Ihre Erben freuen.

Keinen Sinn macht es aber, einen Teil Ihrer Immobilie zu verkaufen, um – entschuldigen Sie das Wort – zu zocken. Das geht selten gut aus. Wilde Spekulationen an der Börse sind hochriskant. Die Hoffnung auf den schnellen Euro wird oft enttäuscht. Und mit einer langfristigen Strategie hat das ebenfalls wenig zu tun. Und Sie wollen doch nicht sprichwörtlich Haus und Hof verzocken, oder? Auch nicht einen Teil davon.

Trotzdem kann ein Immobilien-Teilverkauf ein Baustein eines langfristigen Vermögensaufbaus sein – auch mit Blick auf die Erben. Vielleicht ist der Immobilienanteil Ihres Vermögens auch einfach sehr hoch und Sie möchten umschichten beziehungsweise den Aktienanteil erhöhen, ohne Ihr Eigenheim zu verlassen. Sie sollten sich aber sehr genau überlegen, was Sie da tun und welche Risiken Sie eingehen.

Autorin: Jessica Schwarzer, Finanzjournalistin und Vorsitzende des Verbraucherbeirats von Engel & Völkers LiquidHome